Projekte

In dieser Rubrik finden Sie alle aktuellen Projekte der Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung, Ahlen.

August und Elisabeth Macke. Der Maler und die Managerin
9.10.2019 – 12.7.2020

In über 200 Zeichnungen und Gemälden hat August Macke seine Frau porträtiert. Elisabeth, „mein zweites Ich“, wie er sie nannte, inspirierte ihn zu Kunstwerken von Spaziergängen und Modegeschäften. Aber sie war noch mehr für den Künstler als Muse und Modell. Sie managte sein Künstlerdasein. Elisabeth Macke kümmerte sich um den Verkauf seiner Werke und brachte ihn mit Persönlichkeiten aus Kunst und Wirtschaft zusammen. Wenige Monate nach seinem frühen Tod an der französischen Front 1914 begann sie, die Geschichte ihrer Liebe aufzuschreiben, um ihren zwei Söhnen ein Bild ihres Vaters zu bewahren. Im zweiten Weltkrieg rettete sie seine Werke und Briefe vor den Bombenangriffen. Bis zu ihrem Tod 1978 arbeitete sie gegen das Vergessen eines jungen Künstlers an. Mit Erfolg: August Macke gilt heute als einer der bekanntesten Maler des deutschen Expressionismus. Dieses Verdienst gebührt Elisabeth Macke, einer modernen, starken Frau, die in zwei Weltkriegen zwei Ehemänner verlor, aber niemals den festen Willen, das Ansehen von Macke zu steigern. Erstmalig zeigt eine Ausstellung ihr Wirken, ihre Netzwerke und ihre Bedeutung anhand von Werken des Künstlers, die aus der umfangreichen Macke-Sammlung des Museums stammen und durch einzelne Leihgaben ergänzt werden.

Das Projekt wurde allein möglich durch die großzügige Finanzierung der Kaldewei Stiftung.

Das Brücke-Museum zu Gast im Albertinum
9.10.2019 – 12.7.2020

Um die Museen mit wichtigen Beständen der „Brücke“-Künstler für die Besucher immer wieder aktuell zu einem Anziehungspunkt werden zu lassen und die Kooperation der Häuser zu gewährleisten, ist ein reger Austausch von Forschungsergebnissen und Leihgaben Voraussetzung.

 

Erich Heckel: „Junger Mann und Mädchen“, 1909
Öl auf Leinwand, 70,5 x 80,4 cm
Brücke-Museum, Inv.-Nr. 56/73
© Brücke-Museum, Foto: Nick Ash
© VG Bild-Kunst, Bonn

In der Sammlung des Albertinum in Dresden bildet der seit 1937 noch immer stark dezimierte Bestand an Gemälden von Mitgliedern der Künstlergruppe „Brücke“ einen der Schwerpunkte in der Sammlungspräsentation – beginnt doch die Geschichte der Künstlergruppe 1905 mit der Gründung der „Brücke“ in Dresden. Das Albertinum unterstützt nun mit der Ausleihe zentraler Werke aus dem Bestand von Karl Schmidt-Rottluff und Emil Nolde die Ausstellung zu Künstlerrahmen der „Brücke“-Künstler im Brücke-Museum Berlin.

 

Max Pechstein: „Das gelbschwarze Trikot“, 1909
Öl auf Leinwand, 68 x 78 cm
Brücke-Museum,
Dauerleihgabe aus Privatbesitz,
Inv.-Nr. DL 1990/2
© Brücke-Museum, Foto: Nick Ash
© Max Pechstein Urheberrechtsgesellschaft,
Hamburg/ Tökendorf

Während der Kernbestand des Albertinum ausgeliehen ist, wird diese Chance genutzt, dem Dresdner Publikum und den Gästen der Stadt im Gegenzug Hauptwerke aus dem Brücke-Museum vorzustellen. Zuvor werden die originalen Künstlerrahmen der Dresdner Gemälde in der Werkstatt der Gemälderestaurierung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden untersucht und die Ergebnisse dokumentiert.

Der Schwerpunkt bei der Auswahl der Gemälde aus Berlin liegt auf Topoi und Motiven, die für die Dresdner Zeit der „Brücke“ paradigmatisch sind. Die Ausstellung der Werke aus dem Brücke-Museum Berlin in Dresdner Albertinum wird begleitet von Kunstgesprächen und einem Vortrag.

Dieses Ausstellungsprojekt wird exklusiv von der Kaldewei Kulturstiftung finanziert und gefördert.

Arbeitskreis Werkverzeichnis

Werkverzeichnisse sind unentbehrliche Begleiter für Kunsthistoriker und Kunsthandel: Sie leisten einen Überblick über das Schaffen eines Künstlers und dokumentieren grundlegende Informationen zum jeweiligen Werk. Darüber hinaus werden sie bei der Echtheitsbestimmung und der Provenienzrecherche konsultiert. Ihr enzyklopädischer Charakter unterscheidet Werkverzeichnisse deutlich von Monografien und Ausstellungskatalogen.

 

Die Herausforderungen, die an die Erstellung eines Werkverzeichnisses geknüpft sind, und alle damit verbundenen methodischen und organisatorischen Fragen haben zu der Idee geführt, einen Arbeitskreis für Autoren von Werkverzeichnissen zu gründen. Dieser Interessengemeinschaft soll einerseits der Zweck zugrunde liegen, gezielt Synergie-Effekte zu nutzen und den Austausch zu fördern. Andererseits sollen künftig wichtige Forschungsansätze verfolgt werden: Welche Relevanz hat das Werkverzeichnis heutzutage innerhalb der Kunstwissenschaften, und wo liegen die Schnittstellen zu den Provenienz- oder Restaurierungswissenschaften? Was kann ein Werkverzeichnis leisten, wo sind seine Grenzen? Wie können die traditionellen Zielsetzungen sinnvoll erweitert und an veränderte Anforderungen und Möglichkeiten angepasst werden?

Mit Unterstützung der Kaldewei Kulturstiftung und auf Initiative von Dr. Anja Tiedemann (tiedemann@beckmann-catalogue-raisonne.org) wurde im November 2018 der Arbeitskreis Werkverzeichnis gegründet. Im März 2019 fand mit Vorträgen am Morgen und organisatorischer Weichenstellung am Nachmittag die 2. Tagung statt. Gegründet wurden Arbeitsgruppen zur Klassischen Moderne und zur Kunst nach 1945 / Gegenwartskunst, zum Thema Standardisierung, Digitalisierung und Provenienzen. Die Ergebnisse dieser Forschungsteams werden allen Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, ein Handbuch für Werkverzeichnisse herauszugeben. Geplant sind zudem jährliche Treffen, die im Rahmen von wissenschaftlichen Symposien relevante Themen aufgreifen.

Nähere Informationen erhalten Sie über kontakt@arbeitskreis-werkverzeichnis.de.

Im November 2019 fand in Wien die 3. Tagung Arbeitskreis Werkverzeichnis statt mit dem Schwerpunktthema „Digitale Werkverzeichnisse: Chancen und Herausforderungen“. Mehr als 70 Teilnehmer an der Tagung belegen das hohe Interesse an diesem Thema. Die einzelnen Referenten stellten digitale Werkverzeichnisse vor und gingen in diesem Zusammenhang auch auf die bestehenden Probleme Funktionalität, Aktualität, Wartung und Nachhaltigkeit von Werkverzeichnissen ein, die zur Diskussion stehen und Lösungsansätze bedürfen. Auch das Thema Daten, Texte und Bilder in digitalen Werkverzeichnissen stand im Fokus.

Die Website Arbeitskreis Werkverzeichnis https://arbeitskreis-werkverzeichnis.de/ wurde präsentiert, um Möglichkeiten der Plattform im Bezug auf den Austausch und Zusammenarbeit aufzuzeigen.

Am Nachmittag wurde in Arbeitsgruppen zu Themen Datenmodellierung, Fragestunde Recht, Erschließungstiefe und Nachhaltigkeit diskutiert.

Das nächste Treffen findet in Dresden statt.

Ausstellungsprojekt Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe

Mit großzügiger Unterstützung der Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung, Ahlen realisiert das Frankfurter Städel Museum die Ausstellung Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe, die vom 23. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020 gezeigt wird. Im Zentrum des Projektes steht das Anliegen, einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis der deutschen Kunstentwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu liefern und dabei Vincent van Goghs Rolle als Schlüsselfigur für die Kunst des deutschen Expressionismus aufzuzeigen.

Die Präsentation des Städel Museums nimmt erstmalig das Œuvre van Goghs im Kontext seiner deutschen Rezeption in den Blick. Deutschland spielte für die Erfolgsgeschichte des Holländers eine zentrale Rolle: Früher als in anderen Ländern wurde der Künstler hier durch das Engagement von Galeristen, Kritikern und Museumsdirektoren knapp fünfzehn Jahre nach seinem Tod als einer der bedeutendsten Vorreiter der modernen Malerei wahrgenommen.

Den Ausgangspunkt der Ausstellung Van Gogh und Deutschland bildet eine Auswahl an Hauptwerken des holländischen Malers, die in einem Dialog mit Bildern deutscher Avantgardisten gezeigt werden. Neben bekannten Beispielen von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Max Beckmann werden in der Ausstellung auch wiederzuentdeckende Positionen präsentiert, für die van Gogh ebenso prägend war, wie Peter August Böckstiegel, Maria Slavona oder Heinrich Nauen.

Werkverzeichnis Günther Uecker (Arbeitstitel)

Seit 2016 fördert die Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung (Ahlen) ein Forschungsprojekt zur Erarbeitung eines Catalogue raisonné für das Werk des Düsseldorfer Künstlers Günther Uecker. Dieses Projekt wird unter der Leitung von Dr. Konstanze Rudert seit Ende 2017 an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden weitergeführt; zuvor war es seit Förderbeginn an der Kunstsammlung NRW angesiedelt.

Projektziel des zunächst bis Ende 2020 geplanten Vorhabens ist die Erfassung der Hauptwerke Günther Ueckers, die sich in Museen und Privatsammlungen weltweit befinden. Daneben wird umfangreiches Quellen- und Archivmaterial ausgewertet, darunter mehr als 2000 Kataloge und eine sehr hohe Zahl von Beiträgen in Zeitschriften und Zeitungen zu den Einzel- und Gruppenausstellungen des international renommierten Künstlers.

Das seit Mitte der 1950er Jahre entstandene Werk Günther Ueckers umfasst Nagelreliefs, Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen, Installationen, Filme und Aktionen sowie Bühnenbilder. Die Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und mit dem Uecker Archiv in Düsseldorf realisiert.

Werkverzeichnis Max Beckmann. Catalogue Raisonné der Gemälde

Initiiert, finanziert und ediert von der Kaldewei Kulturstiftung wurde der Catalogue Raisonné der Gemälde Max Beckmanns (1884-1950) seit April 2016 von der Kunsthistorikerin Anja Tiedemann recherchiert, bearbeitet und in einem digitalen Informationssystem zusammengeführt. Auf der Grundlage des Werkverzeichnisses von Barbara und Erhard Göpel aus dem Jahr 1976 sowie Archivforschung in Europa und den USA wurden bis zum 31. Dezember 2020 nahezu 11.300 Datensätze gewonnen. Hierzu gehören nicht nur die 843 Werke des Künstlers, sondern auch Publikationen (5.141), Personen (2.489), Ausstellungen (1.360), Institutionen (1.061), Auktionen (264) und Archivmaterialien (129). In vielfältiger Weise miteinander verknüpft bieten die gewonnenen Daten Erkenntnisse zur Provenienz, zur Ausstellungs- und Auktionsgeschichte. Erfasst sind auch die Einträge in Beckmanns Bilderlisten, die neu transkribiert wurden und erstmals vollständig zugänglich sind. Verweise auf die Erwähnung der Gemälde in den Tagebüchern und Briefen des Künstlers gehören ebenso dazu. Kurzbiographien zu Beckmanns Weggefährten und den Akteuren des Kunsthandels unter besonderer Berücksichtigung der politischen Veränderungen stellen einen weiteren Schwerpunkt dar. Vollkommen neue Sortier- und Filterfunktionen bieten einen raschen und zuverlässigen Zugriff auf umfangreiche Untersuchungsergebnisse. Weltweit zugänglich und kostenfrei nutzbar dient das digitale Verzeichnis der Forschung und bietet auch kunstinteressierten Laien eine attraktive Plattform.

Mitte Februar 2021 erschien ein auf dem Online-Werkverzeichnis basierender Oeuvre-Katalog mit großformatigen Abbildungen in zwei ledergebundenen Bänden plus Supplement. Er enthält neben ausgewählten Informationen zu den Gemälden, auch Auszüge aus den Tagebüchern Max Beckmanns und seiner Frau Mathilde. QR-Codes führen direkt zu dem Online-Katalog.

Der Catalogue Raisonné der Gemälde des Künstlers Max Beckmann wird regelmäßig aktualisiert und ständig weiterentwickelt. Zu diesem Zweck finanziert die Kaldewei Kulturstiftung der Hamburger Kunsthalle eine Personalstelle und hat bereits weitere Mittel für die Beckmann-Forschung zur Verfügung gestellt. Ausgehend von dem nun an der Hamburger Kunsthalle angesiedelten Projekt begründet die Kunsthalle zudem das »Beckmann Forum«: Im engen, internationalen Austausch mit Museen, Archiven, Universitäten und ausgewählten Experten wird es in den kommenden Jahren ein lebendiges Forschungszentrum für den Künstler sein.

Der digitale Katalog ist einsehbar unter: http://beckmann-gemaelde.org
Das Buch kann über die Galerie Thomas, München, bezogen werden: info@galerie-thomas.de